Fragen und Antworten
Antworten der Quds-AG auf Fragen, Meinungen und Kritik
18.08.2009
Was habt ihr vor? Ihr folgt doch dem Aufruf Khomeinis, werdet also vom Iran unterstützt. Ich habe eigentlich nichts gegen diese Unterstützung, da ihr hier in Deutschland keine zu erwarten habt. Außerdem werden ja alle Gruppen, Kirchen, Synagogen und Parteien von irgend jemandem unterstützt. Aber wollt ihr hier in Deutschland so einen Staat wie im Iran aufbauen, wenn ihr die Macht dazu habt? Was wäre in diesem Fall mit dem freien Willen der Menschen, nämlich dem der nichtmuslimischen Mehrheit?
Die Idee des Qudstags stammt tatsächlich von Imam Khomeini, genau so wie viele andere Dinge. Die Arbeitsgruppe Quds hat klare Ziele und Konzepte, die öffentlich sind. Ihre Arbeit ist überhaupt eine Öffentlichkeitsarbeit. Das was wir tun, geschieht aus Überzeugung und völlig selbstlos. Wir sind keine Geheimorganisation und streben nicht nach Macht, Reichtum oder Einfluss. Wir möchten nur die Menschen, d.h. ihren Verstand und ihre Herzen, ansprechen.
Ihr solltet die Geschichte aus diesem Blickwinkel aus betrachten, um selbst festzustellen, dass die Kräfte, Organisationen und Staaten, die ihre wahren Ziele geheim hielten, immer durch mysteriöse Geschehnisse, versteckte Aktionen, Täuschung und Verführung, Verschleierung der Wahrheit, Intrigen und Hinterhältigkeit nach Macht und Reichtümern strebten. Sie verfolgten immer unberechtigte, niedere weltliche Ziele, wofür sie bereit waren, über Leichen zu gehen. Moral und Ethik, Menschlichkeit, Menschenwürde und Menschenrechte, Vernunft und Gerechtigkeit stellten für sie keine Kriterien und keine hohen Werte dar.
Im Gegensatz dazu hatten nicht nur die Propheten, sondern alle gerechten Menschen, Gruppen und Staaten das Ziel, die Menschen aufzuklären, zu ihrer Entwicklung beizutragen, Bewusstsein zu schaffen, zu überzeugen, an ihre Vernunft zu appellieren und ihre Herzen zu gewinnen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen den zwei Fronten, die durch die zehntausendjährige Geschichte der Menschheit, quer durch alle Kontinente, zu verzeichnen ist.
Die globale Ungerechtigkeit bildet immer eine Front gegen die Allianz für Gerechtigkeit; Die unberechtigte Macht steht immer den Völkern gegenüber. Das ist der Lauf der Geschichte der Generationen von Menschen, die sich immer für die eine oder für die andere Seite entschieden haben. Dies beruht jedoch nicht auf einer Ungerechtigkeit in der Schöpfung, sondern auf der Möglichkeit der Entfaltung des inneren freien menschlichen Willens in der äußeren Welt. Was nützt mir der freie Wille, mich für ein Studium zu entscheiden, wenn ich die Studiengebühren nicht zahlen und kein Bafög erhalten kann, und für ein Studium keine Zeit habe, weil ich arbeiten muss, um meine Familie zu finanzieren?
Der Mensch ist mit beiden inneren Möglichkeiten ausgestattet, sich zum Guten oder auch zum Schlechten zu entwickeln und für beide Richtungen muss es eine Möglichkeit auf der Welt geben. Gott hat nicht die Welt geschaffen und dann sich selbst überlassen, sondern die Schöpfung dauert an. Unsere Schöpfung ist nicht mit der Geburt abgeschlossen, sondern sie ist bis zur letzten Sekunde unseres Lebens auf dieser Welt im Gange. Wir sind im Werden! Doch wir haben die freie Wahl, zu entscheiden was wir werden.
Natürlich hat Gott uns dabei nicht im Ungewissen und allein gelassen, sondern mit einer „inneren Programmierung“ ausgestattet, um das Gute zu erkennen. Kein Mensch hält z.B. Lügen für etwas Gutes, auch wenn er selbst lügt! Der Lügner möchte nicht belogen werden. Jemand der eine Frau vergewaltigt, möchte nicht, dass seine Mutter oder Tochter vergewaltigt wird. Das nackte reine Böse ist für jeden Mensch hässlich. Und das reine Gute gefällt jedem Menschen. Sogar der Ungerechte möchte gerecht behandelt werden. Außerdem hat uns unser Schöpfer mit dem Verstand ausgestattet, um alles, auch seine Rechtleitung, zu verstehen. Da wir Menschen ein kurzes, einmaliges Leben haben, in dem wir nicht alles aus eigener Kraft verstehen können, schickte er uns die Religionen. Die letzte, die vollkommene Version der Religion, ist der Islam. Der Islam ist nicht nur „unsere“ Religion, sondern für alle Völker in allen Zeiten. Alle Menschen haben ein Recht auf ihn, auf die Rechtleitung Gottes. Man darf die letzte Religion Gottes nicht den Völkern unserer Zeit vorenthalten, doch man darf sie ihnen nicht aufzwingen. Wenn Gott alle Menschen, unabhängig von ihrem Willen, hätte rechtleiten wollen, so hätte er dies gekonnt. Was wir als Muslime Deutschlands als unsere Pflicht empfinden, ist den reinen Islam, ohne unsere kulturellen oder intellektuellen Beimischungen, den Menschen zugänglich zu machen. Diese Aufklärung widerspricht den unberechtigten Interessen der globalen Ungerechtigkeit, die, wie bereits erwähnt, auf Verführung, Unwissenheit und Täuschung setzen.
Das Ziel ist es nicht einen islamischen Staat aufzubauen, sondern der Staat selbst ist nur ein Mittel zur Schaffung einer gerechten Gesellschaft, in der der Mensch sich entfalten kann. Eine Gesellschaft, in der niemand hungern, verarmen oder in jeglicher Hinsicht schwach gehalten werden darf. Dieser Staat kann und darf nicht in einer nichtislamischen Gesellschaft, nicht durch inkompetente Muslime, und nicht entgegen dem Willen der Menschen aufgebaut werden. Deswegen darf es nicht unser Ziel sein, hier in Deutschland einen islamischen Staat auszurufen. Einen islamischen Staat hat es in der Geschichte nur in den zehn Jahren Regierungszeit des Propheten Mohammed (s) im siebten Jahrhundert gegeben. 25 Jahre danach versuchte es Imam Ali (a), aber nach 4,5 Jahren wurde er getötet, nachdem man ihm wegen der Durchsetzung der Gerechtigkeit drei Bürgerkriege aufgezwungen hatte. Erst im Jahr 1979 schaffte es Imam Khomeini, nach über 1300 Jahren, im Iran den Grundstein für einen islamischen Staat zu legen, der noch im Werden ist. Sonst gab es und gibt es keinen islamischen Staat!

